Ticker Nr. 15, 15.04.2010

Weniger zuzahlungsfreie Arzneimittel

Die Zahl zuzahlungsfreier Arzneimittel auf Rezept ist auf einen neuen Tiefstwert gesunken. Nur noch jede vierte Packung ist derzeit von der gesetzlichen Zuzahlung zugunsten der Krankenkassen befreit; im März war es noch jede dritte Packung gewesen. Darauf macht der Deutsche Apothekerverband (DAV) die Versicherten aller gesetzlichen Krankenkassen aufmerksam. Grund dafür ist die Anpassung von Festbeträgen und entsprechenden Zuzahlungsbefreiungsgrenzen durch den Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zum Monatsbeginn.

Von den 30.809 Arzneimittelpackungen mit Festbetrag sind 8.480 zuzahlungsbefreit, da ihr Preis mindestens 30 Prozent unter diesem Erstattungshöchstbetrag liegt. Der Anteil der zuzahlungsfreien Medikamente an allen festbetragsgeregelten Packungen liegt somit bei 27,5 Prozent (Stand: 15. April). Vor einem Monat hatten 11.336 zuzahlungsfreie Packungen an den 30.874 festbetragsgeregelten Arzneimitteln noch einen Anteil von 36,7 Prozent ausgemacht (Stand: 1. März).


Lauterbach kritisiert

Die Arzneimittelsparpläne von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) werden nach Ansicht der SPD zu erheblichen finanziellen Belastungen der Patienten führen. Die geplante Regeländerung für Rabattverträge zwischen Hersteller und Krankenkassen sei "selten dumm und und ginge tatsächlich auf Kosten der Versicherten", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Mit der geplanten Änderung würden sich Ärzte und Apotheken"durch gut dotierte Verträge zur "Anwendungsbeobachtung" und "Patientenberatung" veranlasst sehen, ihren Patienten besonders teure Präparate anzuempfehlen, die von ihren Kassen nicht mehr voll ersetzt würden", sagte Lauterbach. Hingegen seien die von der Pharmabranche beschworenen Gefahren durch Röslers Sparpläne aus der Luft gegriffen. In kaum einer Branche werde so gut verdient wie im Pharmabereich. " Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (Vfa) kündigte für Mittwoch einen Forderungskatalog an, um "Bösestes noch zu verhindern", wie VfA-Kommunikations-Geschäftsführerin Susan E. Knoll dem "Kölner Stadt-Anzeiger" sagte. Vor allem die geplante Erhöhung des Herstellerzwangsrabatts von sechs auf 16 Prozent und das Einfrieren der Arzneimittelpreise bis 2013 werden vom VfA Bedrohung empfunden. Schließlich könnten die Gewinne der Branche in Folge der Sparpläne um bis zu 1,5 Milliarden Euro jährlich zurückgehen. Nach Informationen der Zeitung wird Rösler bereits am Freitag einen Vorentwurf für das Pharma-Spargesetz vorlegen.


Bürger ziehen koordinierte Pateientenversorgung vor

Rund 60 Prozent der Bevölkerung würden bei der medizinischen Versorgung auf die freie Arztwahl verzichten, wenn dafür eine optimale Abstimmung aller an der Therapie Beteiligten gewährleistet wäre. Die Aussicht, Krankenkassenbeiträge einzusparen, stellt dabei einen großen Anreiz dar. Das ist eine zentrale Erkenntnis der Bevölkerungsumfrage des Meinungsforschungs-institutes Psychonomics im Auftrag des forschenden Arzneimittelherstellers Janssen-Cilag. Für die Deutschen hat die freie Wahl des Arztes ihres Vertrauens einen hohen Stellenwert. In früheren Befragungen, wie der fünften Delphi-Studie zur Zukunft des Gesundheitswesens von Janssen-Cilag, sprach sich die Bevölkerung bereits klar für eine bessere Koordination der Patientenversorgung aus, war aber nicht ohne Zugeständnisse bereit, die freie Arztwahl aufzugeben. In der aktuellen Umfrage wurde daher die Möglichkeit aufgezeigt, Krankenkassenbeiträge zu sparen, wenn Versicherte ein Versorgungsmodell mit besserer Abstimmung der an der Therapie Beteiligten aber ohne freie Arztwahl wählen.

Jeder fünfte Umfrageteilnehmer würde sich demnach auch ohne finanzielle Einsparungen für ein Versorgungsmodell mit optimaler Koordination der so genannten Leistungserbringer (Ärzte, Kliniken, Pflege etc.) entscheiden. Weitere 40 Prozent würden auf die freie Arztwahl verzichten, wenn sie 10, 25 oder 50 Euro monatlich sparen könnten. Für 40 Prozent der Gesamtstichprobe kommt dies gar nicht in Betracht. Fast 60 Prozent empfinden aktuell die Aktivitäten der Patientenversorgung unzureichend aufeinander abgestimmt. Um eine verbesserte Therapie erforschen zu lassen, würden sich mehr als drei Viertel bereit erklären, ihre Patienten-Daten in anonymisierter Form der Krankenversicherung zur Verfügung zu stellen.



Tanja Wilcke, Pressesprecherin

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