GKV-Änderungsgesetz, AMNOG, Packungsgrößenverordnung, Apothekenbetriebsordnung. Die Rahmenbedingungen im Arzneimittel- und Apothekenmarkt ändern sich in schnellem Takt. Wohin geht die Reise in der Gesundheitspolitik und was bedeutet das für die Apotheken? Rund 50 Apothekerinnen und Apotheker aus ganz Deutschland trafen sich in Berlin zum Forum Gesundheitspolitik des Stuttgarter Pharmagroßhändlers und Apothekendienstleisters GEHE. Die Gesundheitspolitiker Johannes Singhammer (CSU) und Jens Spahn (CDU) stellten sich in den Räumen der Celesio AG den kritischen Fragen des Publikums, ebenso wie Peter Friedrich (SPD), designierter Europa- und Minister für Bundesangelegenheiten der neuen Landesregierung in Baden-Württemberg. Celesio-Repräsentant Max Müller führte durch den Tag.
Heilberuf oder Kaufmann? Diese Frage stelle sich nicht, die Apotheke habe immer beide Rollen und müsse auch beide ausfüllen, sagte GEHE-Chef André Blümel in seinem Statement. Es gehe um die künftige Funktion der Apotheke im Gesundheitswesen, um die Frage, wie die Kompetenzen und die Potenziale der Apotheke in Zusammenarbeit mit allen Akteuren richtig eingesetzt und genutzt werden können. Neue Wege, wie etwa die Beteiligung an Patientenbetreuungsprogrammen, seien zukunftsweisend, setzten aber eine Gesundheitspolitik voraus, die moderne Apothekenstrukturen unterstütze: „Wir brauchen Planungssicherheit, sowohl für die Apotheke, als auch für den Großhandel und darüber hinaus belastbare, möglichst langfristige politische Rahmenbedingungen.“ In diesem Zusammenhang betonte Blümel, wie wichtig „gleichlange Spieße“ des Großhandels zum Direktgeschäft der Pharmahersteller seien. Schrumpfe das Handelsvolumen im Großhandel, dann sei mittelfristig die zentrale Rolle des Großhandels als wichtigster Partner der Apotheke bei der Arzneimittelversorgung der Bevölkerung gefährdet. Blümel rief alle Akteure zum Dialog auf und zur konstruktiven Diskussion mit der Politik: „Wir wollen professionell und auf hohem Niveau unseren jeweiligen Beitrag für ein gutes, leistungsfähiges und effizientes Gesundheitssystem erbringen.“
Politiker und Publikum waren sich einig darüber, dass das Know-how der Apotheke besser genutzt werden müsse. Joachim Singhammer (CSU) plädierte für mehr Eigenverantwortlichkeit und den Abbau von bürokratischen Hemmnissen, gerade auch im Hinblick auf die anstehende Apothekenbetriebsordnung. Diese würde im Übrigen viele Forderungen der ABDA umsetzen, darauf wies Jens Spahn (CDU) hin. Spahn diskutierte Möglichkeiten, die Apothekervergütung vom Arzneimittel zu entkoppeln, sieht hier aber zurzeit keinen Handlungsbedarf. Grundsätzlich sei vorstellbar, der Apotheke im Rahmen integrierter Verträge andere und neue Rollen zuzuweisen. Peter Friedrich (SPD) schließlich bot, als künftiger Landesminister in Baden-Württemberg, den Apothekern die Zusammenarbeit und den intensiven Dialog im Netzwerk Gesundheit an, in das die Apotheker, übrigens genauso wie im Koalitionsvertrag, aufgenommen sind. Auf Landesebene wolle man den Fachkräftemangel in medizinischen Berufen, auch in Apotheken, bekämpfen und in diesem Zusammenhang über Ausbildung und neue Ausbildungsmodelle diskutieren.
Über die Zukunft der Apotheke diskutierten anschließend die Gesundheitsjournalisten Peter Ditzel (Deutsche Apotheker Zeitung), Andreas Mihm (FAZ), Peter Thelen (Handelsblatt), und Eva Quadbeck (Rheinische Post). Eigentlich wollte sich die Runde darüber unterhalten, wie Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler sein Amt mit dem des möglichen FDP-Bundesvorsitz in Einklang bringen könne und welche Möglichkeiten das für die Gesundheitspolitik mit sich bringen würde. Die zeitgleich stattfindende Fraktionssitzung der FDP, mit der Ankündigung des neuen Gesundheitsministers Daniel Bahr, machte dies obsolet. Aber gerade deswegen ließ sich nun trefflich diskutieren. Noch-Staatssekretär Daniel Bahr – ursprünglich auf der Referentenliste – ließ sich entschuldigen und sandte Grüße an das Publikum.
Abgerundet wurde der Tag mit einem Besuch im Auswärtigen Amt, und einem ebenso unterhaltsamen wie nachdenklich machenden Zwiegespräch zwischen dem Bild-Kolumnisten Martin S. Lambeck und Volker Rühe, Bundesverteidigungsminister a.D.
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