Ticker Nr. 9, 04.03.2010

Vereinigungsfreude

Der Konzentrationsprozess bei den gesetzlichen Krankenkassen sei im vollen Gange, schreibt die Financial Times Deutschland. Vor 40 Jahren habe es noch 1815 gesetzliche Krankenkassen in Deutschland gegeben, heute seien es rund 170. Langfristig werde die Zahl der Kassen auf 50 schrumpfen, zitiert die Tageszeitung den Gesundheitsexperten Boris Augursky vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung. Hauptgrund für „Vereinigungsfreude“ der Krankenkassen sei der stark gestiegene Kostendruck.


Preis für Rösler

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler ist in den Kreis der Young Global Leaders des World Economic Forum (WEF) aufgenommen worden, meldet Die Welt. Das Forum vergibt den Titel jährlich an herausragende Akteure in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr 197 junge Führungspersönlichkeiten aus 72 Ländern für ihr herausragendes Führungsengagement, ihre beruflichen Leistungen und ihren gesellschaftlichen Einsatz.


Letzte Runde

Ende März wird die Entscheidung über den Verkauf von Ratiopharm getroffen. Im Rennen sind dem Vernehmen nach noch die Unternehmen Pfizer, Teva und Actavis. Neben dem Kaufpreis – das Pfizer-Angebot wird auf 3 Mrd. Euro geschätzt – soll ein Kriterium für die Übernahme die Erhaltung möglichst großer Teile der deutschen Produktion sein.


BPI: Balance statt Klischees

Das Gesundheitssystem muss eine vernünftige Balance zwischen den notwendigen Voraussetzungen für hohe Qualität, effektive Forschung und den Arzneimittelausgaben gewährleisten. "Von berufsmäßigen Pharmakritikern kann die Öffentlichkeit mehr erwarten als Klischees", erklärt Henning Fahrenkamp, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI). "Panikmache wegen der angeblichen Kostenexplosion, undifferenzierte Preisvergleiche zwischen verschiedenen EU-Ländern, welche die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze und Kosten der Arzneimitteldistribution ignorieren sowie vereinfachende Aussagen, ohne zwischen den verschiedenen Marktsegmenten zu unterscheiden, sind schädlich", so Fahrenkamp weiter zur aktuellen Berichterstattung in den Medien.

In Wirklichkeit seien die Preise durch den Preiskampf im Generikamarkt rückläufig - auch unter Berücksichtigung der patentgeschützten Arzneimittel würden sich die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung 2009 im vereinbarten Rahmen bewegen. "Von Kostenexplosion keine Spur - statt kurzatmiger Kostendämpfung ist eine ordnungspolitische Reform notwendig, dazu haben wir erst kürzlich Vorschläge vorgelegt" ergänzt Fahrenkamp.


Versandhandel wächst überproportional

Der Arzneimittelversandhandel wächst überproportional gegen den Branchentrend. "Während der via Selbstmedikation erzielte Umsatz mit rezeptfreien Medikamenten im stationären Apothekenmarkt im vergangenen Jahr um 0,9 Prozent zurückgegangen ist, verzeichneten die zugelassenen Versandapotheken ein sattes Umsatzwachstum um 31,6 Prozent", so Christian Buse, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken (BVDVA). "Das Umsatzwachstum belegt die große Akzeptanz der Kunden in diesen modernen Versorgungsweg", sagte Buse. Aus seiner Sicht hat der Arzneiversand ein enormes Potenzial, um Menschen in strukturschwachen Gebieten mit Medikamenten zu versorgen. Er rechne damit, dass die mit dem Rückzug der Ärzte vom Land dort auch langfristig die Apothekendichte abnehmen werde. Während der Verordnungsanteil rezeptfreier Medikamente in den stationären Apotheken konstant bei 22 Prozent liegt, machen Verordnungen im Versandhandel bisher nur zwei Prozent aus. "Sobald der Gesetzgeber den deutschen Versandapotheken die gleichen Wettbewerbsvorteile wie den niederländischen Versandapotheken einräumt, wird sich dies aber sicherlich ändern", ist Buse überzeugt. Bisher dürfen deutsche Versandapotheken keine Boni für die Einreichung von Rezepten anbieten und auch die Zuzahlung nicht erlassen; daher sprechen deutsche Versandapotheken von "Inländerdiskriminierung".



Tanja Wilcke, Pressesprecherin

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