Ausgabe 03 / 2021

„Manchmal muss man einfach machen"

Masken besorgen, Desinfektionsmittel herstellen, Beratungsgespräche führen, auf Corona testen, Impfstoff verteilen – die Apotheken vor Ort haben in den vergangenen Monaten enormes gleistet. Wir stellen exemplarisch Tobias Schmid aus Straubing und Susanne Bormann aus Blankenburg vor. Ihr Motto: einfach machen!

Wer Tobias Schmid Anfang 2020 gesagt hätte, dass er wenig später auf einen Schlag im fernen China 500.000 medizinische Masken ordern würde – er hätte es wohl selbst nicht geglaubt. Doch ungewöhnliche Ereignisse erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Und so wurde der Straubinger Apotheker quasi über Nacht Importeur mit besten Kontakten nach Fernost. „Es ging mir wie den meisten Apothekern. Wir brauchten dringend Masken, konnten aber am Anfang der Pandemie auf normalen Wegen keine bekommen”, erinnert sich der Apotheker. Statt zu resignieren und auf Hilfe der Regierung zu hoffen, griff er zum Telefon. Nach und nach sprach er mit allen Firmen aus der Umgebung, die Kontakte zu China pflegen. „Mit meinem Anruf habe ich diese Firmen überhaupt erst auf die Idee gebracht, dass sie in Zeiten von fehlenden Masken eine große Hilfe sein könnten”, erinnert sich Tobias Schmid.

Tatsächlich ließen die Unternehmen ihre Beziehungen spielen und schafften das, was selbst der Bundesregierung anfangs kaum gelang: Masken zu beschaffen. Die Kosten jedoch musste der Apotheker aus Straubing tragen: 300.000 Euro! „Meine Hausbank hat sofort mitgespielt, nach zwei Tagen hatte ich das Geld auf meinem Konto”, sagt er und scheint es im Rückblick selbst kaum glauben zu können. Die Ware wurde eingeflogen, in Lkw angeliefert und in einer eigens angemieteten Halle gelagert.

Zur selben Zeit reiften auch bei Susanne Bormann, Apothekerin im Nordharz Center in Blankenburg, große Notfall-Pläne. Genau wie alphega-Apotheker Tobias Schmid aus Straubing setzte auch die gesund leben-Apothekerin auf regionale Unterstützung – mit großem Erfolg. Per Facebook suchte die Pharmazeutin kreative Schneiderinnen aus der Nachbarschaft, die in der Lage waren, binnen kürzester Zeit Masken zu nähen. „Am Ende haben wir an die 800 Masken verkauft, unser Service hatte sich schnell herumgesprochen. Einige Kunden fragten sogar gezielt nach bestimmten Farben”, erinnert sich Susanne Bormann. Das eingenommene Geld spendete die Apotheke für einen guten Zweck.

Mit Kanistern die Krise gemeistert

Um die Knappheit auf dem Desinfektionsmittel- Markt zu überbrücken, stellte das Apotheken-Team aus dem Nordharz die Mittel selbst her. „Wir hatten eine Firma aus der Region aufgetan, die uns Ethanol zum Einkaufspreis überlassen hat. Mein Mann ist dann immer mit einem Kofferraum voller Zehn-Liter-Kanister hin und hergefahren”, so Bormann. Abnehmer waren Firmen aus der Umgebung. Die Dankbarkeit dort war riesengroß. Auch Tobias Schmid und sein Team produzierten unermüdlich Desinfektionsmittel für Rettungsdienste und Pflegeheime. Am Ende waren es an die 10.000 Liter. Den Grundstoff dafür hatte ein benachbarter Klebstoffproduzent geliefert, der pandemiebedingt für seine eigentliche Ware kaum noch Abnehmer fand. Die klassische Win-Win-Situation für beide Seiten.

500.000 Masken, Desinfektionsmittel und Handschuhe – daran wollte die Straubinger Apotheke in schweren Zeiten andere teilhaben lassen. Tobias Schmid schrieb deshalb alle 62 Apotheken aus der Region an. „Ich habe die Ware zum Einkaufspreis plus Mehrwertsteuer weitergegeben. Mir ging es nicht darum, in dieser schwierigen Situation Gewinn zu machen, sondern Pflegedienste und Krankenhäuser gut zu versorgen”, so Schmid und fügt hinzu: „Auch wenn sich das jetzt alles sehr positiv anhört – es herrschte trotz allem ein 98-prozentiger Mangel an Masken, Desinfektionsmitteln und Handschuhen. Wir haben improvisiert und eigentlich nur noch reagiert.”

Der Gemeinschaftssinn wurde auch bei Susanne Bormann sehr groß geschrieben. Als die Bundesregierung im Juli 2020 die Mehrwertsteuer senkte, reifte die Idee, das Geld nicht einzelnen Kunden, sondern Vereinen und Initiativen zukommen zu lassen.

„Wir haben das Kassensystem dementsprechend umprogrammiert. Die Mehrwertsteuersenkung wurde direkt separat verbucht. Zugleich haben wir einen Aufruf gestartet und unsere Kunden und die Blankenburger gefragt, wer das Geld bekommen soll”, erklärt Susanne Bormann. Die Resonanz war überwältigend. Rund 2000 Stimmen wurden monatlich abgegeben, viele wollten ihre Vereine unterstützen. Die Pfadfinder, Schulen, Kindergärten – viele haben von der Aktion profitiert. Das Geld haben Susanne Bormann und ihr Mann immer persönlich übergeben. Der schöne Nebeneffekt: „Wir haben viele nette Menschen und unsere Region nochmal von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Viele neue Kontakte haben sich ergeben", freut sich die engagierte Apothekerin.

Auch Tobias Schmid ist immer noch berührt davon, wie eng die Menschen in der Not zusammenrücken, von welcher Seite Hilfe kommt. Dass man zuweilen im wahrsten Sinne zusammenrückt, konnte er auch auf seinem eigenen Parkplatz beobachten. „Dort, wo sonst Autos parken, standen lauter Menschen, als die Bundesregierung kostenlos Masken bereitgestellt hat”, erinnert er sich. Freunde und Bekannte regelten im Wechsel den „Publikumsverkehr” in Corona-Zeiten. Susanne Bormann hatte vor ihrer Apotheke einen Drive-in Schalter für Autofahrer eingerichtet, die Masken wurden gegen einen Berechtigungsschein durch das geöffnete Fenster abgegeben. „So konnten wir den Betrieb am besten regeln und hatten weniger Kunden direkt in der Apotheke”, erklärt die Blankenburgerin. Bei Tobias Schmid wurden Nachtschichten gefahren, um den Betrieb am Laufen zu halten. Ein Teil seiner mehr als 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kam erst in den späten Abendstunden und sorgte bis weit nach Mitternacht dafür, dass Masken und andere Waren wieder einsortiert wurden. Tobias Schmid selbst war schon gegen 5 Uhr morgens wieder in der Apotheke und übernahm die nächste Schicht. Schlaf? Das war sowohl in Straubing als auch in Blankenburg über Monate mehr die Ausnahme als die Regel.

In Straubing hat sich das gesamte Team seit Anfang 2019 keine Auszeit genommen. „Meine Mitarbeiter haben gesehen, dass sie gebraucht werden. Da hat keiner Urlaub gemacht, alle wollten unterstützen”, erklärt Tobias Schmid. Auch Susanne Bormann ist zutiefst beeindruckt, was ihr Team in den vergangenen Monaten geleistet hat. Der Zusammenhalt sei enorm gewesen. Er hat auch dazu geführt, dass auch die Verteilung der Impfstoffe in Kooperation mit dem Großhandel gut geklappt hat. „Aber es war auch eine sehr aufregende Zeit, weil uns anfangs die Zeit im Nacken saß. Vom Auftauen des Impfstoffs bis zur Impfung lagen nur fünf Tage. Und die Ärzte hatten nicht immer Verständnis, dass wir nicht mehr liefern konnten”, erzählt Susanne Bormann.

Testen am laufenden Band

Das Testen lag beiden Apothekern am Herzen. „Ich hätte auch gern Weihnachten durchgetestet, damit die anderen ein sicheres Fest haben”, erklärt Susanne Bormann. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Behörden jedoch noch Zweifel, der Testreigen begann dafür umso intensiver später. Tobias Schmid verbrachte seine Wochenenden in 200-Seelen-Dörfern, um in den dortigen Wirtshäusern all jene zu testen, für die das nächste offizielle Testzentrum zu weit weg war. Warum sie all das auf sich nehmen? „Das hat mich meine Frau auch schon gefragt”, antwortet Tobias Schmid ehrlich und fügt hinzu: „Ich kann nicht anders. Ich denke, es ist auch meine Aufgabe als Apotheker, für andere da zu sein.” Für Susanne Bormann steht fest: „Manchmal muss man einfach machen. Wenn man nichts macht, hat man schon verloren.” Manchmal macht sie dies zusammen mit ihrem Mann auch zu ungewöhnlichen Zeiten. Als Deutschland bei der Fußball-Europameisterschaft gegen Frankreich auf dem Rasen stand, wählte sie sich in das Impfregister ein. „Da hat es gut geklappt, alle anderen saßen vor dem Fernseher.”

GEHE Pharma Handel GmbH
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