img - 2020-10-20_So sehen junge Apotheker und PTA die Zukunft

So sehen junge Apotheker und PTA die Zukunft

Das E-Rezept kommt, Tele-Medizin ist Realität und das Thema „Impfen in der Apotheke” steht im Raum. Doch wie sieht der Apothekenalltag in 10, 20 oder 30 Jahren aus? Wir haben bei jungen Apothekern und PTA nachgefragt.

Klaus Leifried
Mit 34 Jahren ist Klaus Leifried Chef von 20 Mitarbeitern. Er hat die Stadt-Apotheke in Walsrode übernommen

Klaus Leifried setzt auch im Zeitalter der Digitalisierung ganz bewusst auf eine Apotheke vor Ort. Diese hat er von seiner Mutter übernommen und ist jetzt – mit nur 34 Jahren – Chef von 20 Mitarbeitern. Er ist davon überzeugt, dass Apotheken eine Zukunft haben. „Auf den persönlichen Kontakt mit ihrem Apotheker wollen die Menschen nicht verzichten“, ist der Inhaber der Stadt-Apotheke in Walsrode sicher. Seine Apotheke war – in Vor-Corona-Zeiten – ein kleiner Treffpunkt in der Stadt. Einige Kunden kamen an manchen Tagen zuweilen nur, um ein Pläuschchen zu halten, andere Menschen zu treffen. „Das ist aktuell leider nicht möglich. Und wir merken, dass es uns und unseren Kunden fehlt”, sagt der junge Apotheker.

Mit der Zeit gehen ist keine "Generationenfrage"
Der Unternehmer weiß aber auch, dass digitale Services heute zum Standard einer gut geführten Apotheke dazu gehören. Ein gelungener Facebook-Auftritt mit Service-Inhalten ebenso, wie eine modern gestaltete Internetseite. Eine große Hürde sind all diese Angebote für ihn nicht. „Für meine Generation ist das selbstverständlich”, sagt er. Auch die Einführung des E-Rezeptes ist nichts, was ihn und sein Team nervös machen würde. Diese entspannte Grundeinstellung neuen Entwicklungen gegenüber möchte er aber keinesfalls am Alter festmachen. „Es gibt junge Menschen, die das Thema ausblenden, und ältere, erfahrenere Apotheker, die dem Thema gegenüber sehr offen eingestellt sind. Ich glaube, es ist keine Generationenfrage, sondern eine Typfrage, wie man damit umgeht”, betont er.

Auch wenn Tele Medizin aktuell in aller Munde ist – Klaus Leifried steht dem mit gemischten Gefühlen gegenüber. „Ob es langfristig gut oder schlecht ist, wird man sehen. Das Zwischenmenschliche wird sich auf jeden Fall verändern. Es ist etwas anderes, ob man sich Auge in Auge gegenübersteht, oder über den Computer miteinander spricht.” In der Apotheke der Zukunft wird es seiner Ansicht nach einen großen Kundenstamm geben, der 90 Jahre oder älter ist.

Die Kunden Ü90 werden langfristig noch mehr
„Die heutigen Ü60 sind die zukünftigen Ü90. Ich gehe fest davon aus, dass der Bereich der geriatrischen Pharmazie größer werden wird. „Damit wächst auch der Bedarf an Polymedikation. Wir werden verstärkt überprüfen, ob sich alle Medikamente miteinander vertragen. Denn in unseren Apotheken ist das Fachwissen. Wir haben den Überblick”, so der 34-Jährige. Wenn er sich für die Zukunft etwas wünschen dürfte, wäre es ein Abbau der Dokumentationspflicht. „Damit verbringe ich mittlerweile 50 Prozent meiner Zeit…”

Katharina Mersch
Die 31-Jährige ist PTA in der Königsesch-Apotheke in Rheine

Eine Welt ohne die Apotheke vor Ort? Das kann sich Katharina Mersch auch in ferner Zukunft nicht vorstellen. Gedanklich sieht sie sich auch noch in 30 Jahren im persönlichen Gespräch mit ihren Kunden in der Apotheke stehen. Die 31-Jährige ist fest davon überzeugt, dass aller technischer Fortschritt an einem nicht rütteln wird: dem Bedürfnis, sich von Mensch zu Mensch auszutauschen. „Tele-Medizin oder Videokonferenzen sind eine tolle Ergänzung, um mit den Kunden in Kontakt zu bleiben. Ersetzen wird all das den normalen Apothekenalltag aus meiner Sicht aber nicht”, sagt die PTA, die ihren Beruf seit neun Jahren ausübt.

Schon als Jugendliche hat sie sich um das Tablettenmanagement ihrer Oma gekümmert. Damals dachte sie noch, dass Apotheker nichts anderes tun, als Medikamente zu verkaufen. „Bei meinem ersten Praktikum habe ich dann schnell gemerkt, dass dies nur ein kleiner Teil der Tätigkeiten ist. Ich war überrascht und begeistert, wie vielfältig dieser Beruf ist”, erinnert sie sich. Das habe sich auch gerade in den letzten Wochen und Monaten gezeigt.
 

Persönliches Miteinander auch 2050 noch ein Wert
In Corona-Zeiten habe sich nicht nur ein tolles Kollegen-Team bewährt. Auch die Wertschätzung für den Beruf des Apothekers sei deutlich spürbar gewesen, Katharina Mersch und ihre Kollegen aus der Königsesch-Apotheke in Rheine waren in vielerlei Hinsicht als Experten gefordert. „Wir wurden von unseren Kunden beispielsweise auch nach Impfstoffen gefragt und sollten über den Stand der Forschung Auskunft geben”, sagt Katharina Mersch. Sie ist überzeugt: In unsicheren Zeiten ein Ratgeber sein zu dürfen, ist auch ein Zeichen dafür, wie wichtig das persönliche Miteinander ist. Heute genauso wie in Jahrzehnten.

Stefan Vahrenhorst (29)
Der junge Pharmazeut hat direkt nach seinem Studium die Mühlen-Apotheke in Rehme übernommen.

Dass er in Zukunft mit seinen Kunden nur noch chattet oder sich per Video Konferenz mit ihnen austauscht, kann und mag sich Stefan Vahrenhorst nicht vorstellen. Der 29-Jährige hat im Januar dieses Jahres die Mühlen-Apotheke in Rehme übernommen und schätzt den persönlichen Kontakt zu den Menschen, die bei ihm und seinem Team Hilfe und Beratung suchen. „Ich bin Apotheker geworden, weil ich in diesem Beruf zwei Sachen, die mir wichtig sind, verbinden kann: Die Naturwissenschaften und die Möglichkeit, Menschen zu helfen”, erklärt er. Wenn man den jungen Mann bittet, sich seinen Berufsalltag in 20 Jahren vorzustellen, zeichnet er ein Bild, das dem heutigen sehr ähnlich ist. „Ich wünsche mir, dass die Apotheke vor Ort weiterhin ein Anlaufpunkt für Menschen aus dem Viertel und der Stadt ist. Dass wir unsere Kunden persönlich beraten und ihnen eine Möglichkeit geben, mit ihrem Apotheker von Mensch zu Mensch zu reden”, so Vahrenhorst. Für eine gute Kundenbindung und ein harmonisches Miteinander sei gerade das unabdingbar. „Wenn es nicht anders ginge, würde ich natürlich auch per Videokonferenz oder per Telefon Herzlichkeit rüberbringen, aber in der Apotheke selbst gelingt dies einfach am besten.” Ein Digitalisierungsgegner oder ein Technikmuffel ist Stefan Vahrenhorst keineswegs. Online-Bestellungen oder in wenigen Monaten beispielsweise das E-Rezept, das gehöre heute selbstverständlich zum Alltag eines Apothekers dazu, sagt er. In naher Zukunft möchte er an der Website seiner Apotheke arbeiten, sie noch attraktiver gestalten.

Wunsch: Eine Community für jüngere Apotheker 

In den vergangenen Monaten hat er sich beim Apotheker-Stammtisch mit anderen, auch älteren Kollegen ausgetauscht. Wertvolle Kontakte sind dabei entstanden, der ein oder andere Tipp wurde ausgetauscht, wie man in der herausfordernden Corona-Zeit den Apotheken-Alltag bewältigt. Was der Rehmer Unternehmer sich wünschen würde, sind Plattformen, auf denen jüngere Apotheker zusammenfinden. Eine Community für Menschen wie ihn, die gerade das Studium beendet und eine eigene Apotheke übernommen haben. „Ich glaube, dass sich daraus wertvolle Kontakte ergeben könnten”, sagt Stefan Vahrenhorst. Und wenn sich die Mitglieder dann auch zuweilen persönlich im richtigen Leben treffen würden, wäre das auch in seinem Sinne. Denn: Digitalisierung ist wichtig und richtig. Aber es geht doch nichts über ein Treffen von Mensch zu Mensch. Das gilt für Apotheker genauso wie für Kunden. Manches kommt eben nie aus der Mode, meint er.